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September 22, 2026

Notizen von der expopharm 2026

Die Apotheke rückt leise in die erste Reihe des Gesundheitswesens


Von Roman Gebhard


Vergangene Woche war ich mit einer Kollegin zwei Tage auf der expopharm 2026 in München, das ist die Leitmesse für alles im Bereich Apotheken. Unser Kunde BD Rowa zeigte dort die aktuelle Generation des Smart Kommissionierautomaten, zusammen mit der neuen SmartUI und einer Vorschau auf das Portal myRowa. Projekte, an denen wir die internen Teams im UX Design unterstützen.

Nach all den Monaten, in denen wir an diesen Programmen eng mit dem Team von BD Rowa zusammengearbeitet haben, gab uns die Messe die Gelegenheit, sie im Einsatz zu erleben und im direkten Vergleich mit anderen Lösungen am Markt zu sehen. Vor allem aber konnten wir dabei zusehen, wie Apothekerinnen und Apotheker mit den finalen Lösungen umgehen.

Zwischen einem Design-Review im Workshop und dem Moment, in dem jemand einem User Interface zum ersten Mal begegnet, liegt ein echter Unterschied. Apothekerinnen und Apotheker treten an die Automaten, klicken drei Buttons und verstehen sofort, was von ihnen erwartet wird. Niemand erklärt den Ablauf, niemand führt sie durch die Interaktion. Wie sie sich durch das Interface bewegen, zeigt, ob das Design funktioniert.

Solche Momente sind aufschlussreich. Sie zeigen, ob die Entscheidungen aus dem Designprozess tatsächlich in etwas münden, das sich für die Menschen, die später damit arbeiten müssen, klar und selbstverständlich anfühlt.

Was die Messe tatsächlich gezeigt hat

Die expopharm ist ein guter Querschnitt durch den Markt. In einer einzigen Halle findet sich der komplette Stack: Automatisierungshardware, Warenwirtschafts- und Kommissioniersoftware, Kassensysteme, E-Rezept-Anbindungen, Telemedizin-Kabinen, erste Ansätze von KI-Assistenten und all die neuen Leistungen, die die jüngste Gesetzgebung den Apotheken eröffnet hat. Wer die Halle von einem Ende zum anderen abläuft, erkennt schnell ein Muster. Die Apotheke rückt leise vom logistischen Endpunkt in die erste Reihe des deutschen Gesundheitssystems.

Über diese Verschiebung haben wir Anfang des Jahres in unserem Future of Pharmacy Point of View geschrieben, und die expopharm hat die Richtung für uns bestätigt. Der Mangel an Hausärzten, eine älter werdende Bevölkerung und das erweiterte Aufgabenspektrum der Apotheken, Impfungen eingeschlossen, verändern, wofür der Raum vor der Theke da ist. Vieles von dem, was zu sehen war, von der Telemedizin-Kabine bis zum Screening-Angebot, ist die räumliche Antwort auf genau diese Entwicklung.


Daten, Dashboards und der Wert des Weglassens


Das mit Abstand größte Thema auf der Fläche war Daten. Apotheken sitzen heute auf deutlich mehr Informationen, als sie sinnvoll nutzen können, zu ihren Patientinnen und Patienten, zu ihrem Bestand, zu ihren Margen, zu ihrem Team. Die spannende Frage ist nicht, ob man diese Daten sichtbar macht, sondern wie, und für wen.

Zwei Richtungen waren zu erkennen. Die eine ist der klassische Weg: umfangreiche Dashboards, viele Reiter, endlose Filter, alles auf dem Screen, nur weil es eben technisch möglich ist. Die andere, für uns überzeugendere, geht in die genau entgegengesetzte Richtung. Man nimmt die eine Entscheidung, die die Person vor einem gerade jetzt treffen muss, und gestaltet ein reduziertes, ruhiges User Interface, das ausschließlich diese Frage beantwortet. Nichts weiter. Die KI-gestützten Werkzeuge, die aus der Menge herausragten, hatten den Mut, fast alles Überflüssige wegzulassen.

Genau hier wird Design so wichtig. Ein Apothekenteam steht unter echtem Druck, sich in Effizienz und Preis gegen Online-Anbieter zu behaupten, und soll gleichzeitig präsenter an der Theke sein, beraten, impfen, Medikationsgespräche führen. Diese beiden Anforderungen lassen sich nur vereinbaren, wenn die Software nicht selbst zum Fokus wird. Weniger Buttons, weniger Menüs, weniger überflüssige Funktionen. Stattdessen die richtigen Informationen im richtigen Moment, in einer Form, die Apothekerinnen und Apotheker unter Zeitdruck direkt anwenden können, ohne sie erst studieren zu müssen.


BD Rowa und die SmartUI im Kontext


Die SmartUI am Stand zu erleben, direkt neben dem Wettbewerb, machte unsere Design-Intention greifbar. Die Herangehensweise im UX und Interface Design mit BD Rowa hatte nicht das Ziel, einem Automaten-UI visuellen Feinschliff zu verpassen. Es ging uns um etwas anderes. Ein sicherheitskritisches System, das nicht-technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am ersten Arbeitstag verstehen, und das erfahrene Nutzerinnen und Nutzer nach Jahren des Einsatzes noch immer zügig durch ihre Aufgaben führt.

Die Nominierung für den internationalen UX Design Award in diesem Herbst, aus über 500 Einreichungen aus 46 Ländern, war ein willkommenes Signal aus dem UX-Fachbereich. Die eigentliche Bestätigung war aber, den Apothekerinnen und Apothekern am Stand dabei zuzusehen, wie sie das UI unvorbereitet ausprobierten und ohne Hilfe hindurchfanden.

Neben der Hardware zeigte BD Rowa erstmals myRowa, das neue Portal, das in Kürze verfügbar sein wird und Apotheken einen zentralen Ort bietet, um ihre Smart Systeme zu verwalten: Wartungsinformationen, Dokumentation und der tägliche Betriebsblick. Wir haben das interne Team dabei unterstützt. Dieses Portal ist die Ebene, auf der das Thema Daten konkret wird, und es gilt dieselbe Zurückhaltung wie beim Automaten selbst: Der Wert liegt nicht darin, alles zu zeigen, sondern das Richtige, für die richtige Rolle, im richtigen Moment.
Wo Design ins Spiel kommt

Drei Entwicklungen greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig: die Digitalisierung der Apotheke selbst, der sinnvolle Einsatz von KI als Assistent im Arbeitsalltag statt als Spielerei, und die übergreifende Vernetzung, die die Telematikinfrastruktur (TI) im deutschen Gesundheitswesen endlich liefert. Für sich genommen ist jede davon eine Technologiegeschichte. Zusammen sind sie eine Service-Design-Aufgabe. Apothekenteam, Patientinnen und Patienten, Hausärztinnen und Hausärzte, Krankenhaus, Botinnen und Boten, Abholstation, Telekonsultation, all das muss sich am Ende wie eine einzige zusammenhängende Erfahrung anfühlen, und irgendjemand muss ihr die richtige Form geben.

Genau diese Arbeit reizt uns besonders. Nicht mehr Screens. Sondern weniger, dafür bessere, in den richtigen Händen, im richtigen Moment.

Wenn Sie in diesem Bereich Lösungen entwickeln, sei es Apothekenautomatisierung, Apothekensoftware oder die Services rundherum, und einen Designpartner suchen, der die operative Realität ernst nimmt, dann freuen wir uns, von Ihnen zu hören. Schreiben Sie uns an info@wearefluid.com.